Emissionsskandal hat Folgen

Dieselskandal hat deutliche Auswirkungen auf das Image von Dieselmotoren und von VW

Hamburg

Die Manipulation der Emissionswerte von Dieselmotoren durch VW hat deutliche Auswirkungen auf das Image sowohl von Dieselmotoren als auch von VW. Dies ergab eine Studie des Marktforschungsinstituts Harris Interactive für Deutschland, bei der Anfang Dezember 2015 3.000 PKW-Fahrer in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und den USA befragt wurden.

Während in Deutschland gegenwärtig 20% der Befragten einen VW fahren, würden sich bei ihrem nächsten Autokauf nur noch 12% dafür entscheiden. Bei denjenigen Befragten, die sich durch den Emissionsskandal beeinflusst glauben, waren es sogar nur 3%. Gleichzeitig stimmen 93% der Befragten der Aussage zu, dass VW sicher nicht der einzige Hersteller ist, der bei den Abgaswerten manipuliert hat. 52 % der Befragten glauben, dass sich das Diesel-Image in letzter Zeit stark verschlechtert hat und 38%, dass Verbrennungsmotoren generell im Prinzip Auslaufmodelle sind.
Die Gewinner des Skandals sind BMW, Skoda und Toyota“, erklärt Daniel Scholz, Sector Head Automotive von Harris Interactive. Während gegenwärtig 6% der Befragten einen BMW fahren, wollen dies in Zukunft 10% der Befragten und 12% der vom Emissionsskandal Beeinflussten tun. Bei Skoda stieg der Anteil von 5% auf 10% und auf 8% der vom Emissionsskandal Beeinflussten. Bei Toyota stieg der Anteil von 3% auf 5% der Befragten und auf 9% der vom Emissionsskandal Beeinflussten. Insgesamt glauben knapp 30% der Befragten, dass der Emissionsskandal einen Einfluss auf die Antriebsart bei ihrem nächsten möglichen Neuwagenkauf hat, und 36%, dass er einen Einfluss auf die Markenwahl hat.

Alternative Antriebsarten auf dem Vormarsch

Traditionelle Verbrennungsmotoren verlieren generell Wahlanteile“, so Scholz. „Dagegen nimmt das Interesse an alternativen Antrieben, insbesondere am Hybridantrieb deutlich zu.“ Gegenüber 31% gegenwärtigen Dieselfahrern wollen künftig nur noch 23% der Befragten ein Fahrzeug mit Dieselantrieb wählen, von den durch den Emissionsskandal Beeinflussten sogar nur noch 10%. Gegenüber 66% heutigen Nutzern von Benzinmotoren, wollen künftig nur noch 43% einen Benziner wählen, von den Beeinflussten nur noch 37%. Gegenüber 1% heutigen Nutzern des Hybridantriebs steigt dagegen der Anteil derjenigen, die künftig diese Antriebsart nutzen wollen, auf 15%, bei den vom Emissionsskandal Beeinflussten sogar auf 26%. Ein Elektroauto wollen künftig 6% der Befragten fahren, von den Beeinflussten 9%.
Im Jahr 2012 hatte Harris Interactive bereits eine Studie zu alternativen Antriebsarten durchgeführt. Der Vergleich beider Studien liefert folgende Ergebnisse:

In puncto Umweltfreundlichkeit haben die alternativen Antriebsarten nach Meinung der Verbraucher weiter zugelegt. Elektroautos werden von 78% der Befragten 2015 gegenüber 71% der Befragten 2012 für besonders umweltfreundlich gehalten, Hybridantriebe von heute 79% gegenüber 67% in 2012. Verbrennungsmotoren schneiden hier deutlich schlechter ab. 2012 hielten nur 6% der Befragten Benziner für besonders umweltfreundlich. 2015 sind es immerhin 16%. Nur eine geringfügige Änderung ergibt sich bei Diesel von 15% 2015 gegenüber 16% 2012. Doch im Jahr 2012 hielten noch 28% der Befragten Dieselmotoren immerhin für umweltfreundlicher als Benzinmotoren. 2015 sind dies nur noch 17% und sogar nur 8% von den durch den Emissionsskandal Beeinflussten. „Anders sieht die Einschätzung in puncto Fahrspaß aus“, erläutert Scholz. „Hier liefern die Verbrennungsmotoren in beiden Jahren deutlich bessere Ergebnisse als die alternativen Antriebsarten – wohl auch, weil aktuell noch immer die Erfahrung mit den leistungsstarken Elektromotoren fehlt.“ Bei Benzinern geben in 2015 79% und bei Dieselmotoren 62% der Befragten an, dass sie vollen Fahrspaß bieten. Bei Elektromotoren sind dies nur 27% und bei Hybridantrieben 41%.

Steigende Bedeutung von Verbrauchs- und Abgaswerten beim Fahrzeugkauf

Von den Faktoren CO2-Ausstoß, Kraftstoffverbrauch, Feinstaub und Stickoxide war bei der Befragung in 2015 der Kraftstoffverbrauch mit 63% der mit Abstand wichtigste Entscheidungsfaktor für die Wahl des gegenwärtigen Fahrzeugs gefolgt von der CO2-Emission mit 28%, Feinstaub mit 25% und Stickoxiden mit 18%. Beim möglichen Kauf des nächsten Neuwagens wird noch mehr auf die Umweltfreundlichkeit geachtet, da bei allen vier Faktoren die Wichtigkeit steigt. Beim Kraftstoffverbrauch erhöht sich der Wert auf 79%, bei der CO2-Emission auf 41%, für Feinstaub auf 34% und für Stickoxide auf 28%. Auch im Vergleich zum Jahr 2012, in dem nur die CO2-Emission abgefragt wurde, wird dieser Faktor in der aktuellen Befragung sowohl für den letzten (20% zu 28%) als auch für zukünftigen Autokauf (34% zu 41%) als wichtiger eingestuft.

Während 2012 vor allem niedriger Verbrauch und hohe Reichweite Entscheidungsgründe für einen Diesel waren, sind die Gründe 2015 vielfältiger“, so Scholz. Zusätzlich zu Verbrauch und Reichweite sind heute vor allem die geringen Kraftstoffkosten wichtige Kaufgründe. In beiden Jahren gibt ein Großteil der Befragten an, dass sich ein Dieselmotor erst ab einer hohen jährlichen Kilometer-Anzahl lohne und dass die Anschaffung eines Dieselfahrzeuges teurer sei als die eines Benziners. Die Gründe gegen einen Dieselmotor sind dementsprechend unverändert. Die geringere eigene Fahrleistung und die höheren Anschaffungs- und Steuerkosten sind weiterhin am wichtigsten.

93% der Befragten in der Studie von 2015 sind der Meinung, dass die Hersteller-Durchschnittswerte nicht den realen Verbrauch widerspiegeln. In ihrem Informationsverhalten verlassen sich die Befragten von 2015 eher auf die Testergebnisse von offiziellen bzw. herstellerunabhängigenPrüfstellen wie ADAC oder DEKRA (87%) oder aus den Automobilzeitschriften (70%).

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